Bereits kurz nach der Entdeckung des neuen Coronavirus haben Wissenschaftler eine zuverlässige Nachweismethode entwickelt. Das als RT-PCR-Verfahren kann die Erbinformation, also die einzelnen RNA-Stränge (s. Struktur von Sars-Cov-2) gezielt vervielfältigen und mit einer Sonde farblich markieren. Auf diese Weise ist Sars-Cov-2 nachweisbar, sobald eine Infektion stattgefunden hat. Ausgangsmaterial sind dabei Abstriche aus dem Rachenbereich, dem häufigsten und auch ersten Ort einer Sars-Cov-Infektion. Die Trefferquote dieser Methode liegt bei etwa 95%. In einzelnen Fällen, z.B. bei unsachgemäßer Probenentnahme, falscher Lagerung oder zu langer Liegezeit kann es aber auch bei diesem Verfahren zu falsch-negativen Befunden kommen.

Das gilt auch bei einem fast ausschließlichen Befall der Lunge. Hier hat die Computertomographie eine sehr große Aussagekraft. Bei der Lungenentzündung im Rahmen von Covid-19 finden sich typische “milchglasartige Trübungen” des Lungengewebes. Der Nachweis einer Sars-Cov-2-Infektion erfolgt dann über eine Entnahme von Sekret aus den Lungen und anschließender RT-PCR.

Mittlerweile ist auch der Nachweis spezifischer Antikörper im Blut der Betroffenen möglich. Für die Diagnose einer akuten Infektion sind sie nur eingeschränkt aussagefähig. So bilden sich die Antikörper erst einige Tage nach der Infektion. Hierbei handelt es sich um die Antwort des Immunsystems auf die Infektion. Das Immunsystem erkennt den Eindringling als Feind und produziert als Gegenangriff zum Abtöten der Viren “maßgeschneiderte” Antikörper. Entscheidender Vorteil ist, dass die Antikörper verhältnismäßig einfach und kostengünstig im Blut nachgewiesen werden können. Auch wenn die Infektion bereits abgeheilt ist, verschwinden sie nicht vollständig. Sie sind das Gedächtnis unseres Immunsystems. Ein positiver Antikörper-Nachweis kann auch ein Hinweis auf die Immunität gegenüber dem Virus sein. Das hängt allerdings von den jeweiligen Eigenschaften der Viren ab. Die erste experimentelle Studie an Affen lässt auf eine Immunität nach durchgemachter Sars-Cov-2-Infektion schließen. Ob die Ergebnisse auch auf Menschen übertragbar sind, muss sich noch zeigen. Zumindest besteht eine berechtigte Hoffnung.

Am häufigsten werden Schnelltests eingesetzt. In der Regel benötigen diese Tests nur einen Tropfen Blut aus der Fingerbeere (sogenanntes Kapillarblut). Alternativ erfolgt eine reguläre Blutentnahme aus der Vene gefolgt von einer etwa zehnminütigen Zentrifugation. Dabei werden die Blutkörperchen abgetrennt. Übrig bleibt das sogenannte Blutserum, eine hellgelbe und klare Flüssigkeit. Das Blutserum enthält sämtliche Eiweiße einschließlich der Antikörper und kann nun für den Corona-Antikörpertest eingesetzt werden. Im Vergleich zu Kapillarblut hat Blutserum zwei Vorteile: 1. Das Ergebnis ist etwas deutlicher ablesbar. 2. Die Probe kann für spätere Kontrollen aufbewahrt werden.

Die Corona / COVID-19-Schnelltests dauern insgesamt 15-30 Minuten und können Antikörper der Gruppen IgG und IgM nachweisen (detaillierte Information im Beitrag zum Immunsystem). Ein positiver IgG Antikörper deutet auf eine ausgeheilte COVID-19-Infektion hin. Sind sowohl IgG als auch IgM Antikörper positiv, arbeitet das Immunsystem noch aktiv gegen die Infektion an. Daher besteht in diesem Fall möglicherweise noch eine Ansteckungsgefahr für andere Personen. Ein direkter Nachweis von Sars-Cov-2 mittels Abstrich und PCR-Diagnostik kann diese Frage klären.

Positiver und negativer Antikörper-Schnelltest, links mit und rechts ohne Nachweis einer Bande für COVID-19 bzw. Sars-Cov-2 IgG-Antikörper (C = positive Kontrolle)

Antikörpertests werden von manchen “Meinungsbildnern” als große Hoffnung im Kampf gegen das neue Coronavirus gepriesen. Die Realität sieht allerdings anders aus. Die schwedische Hauptstadt Stockholm hat eine der höchsten Infektionsraten weltweit. Das liegt an den verhältnismäßig geringen Einschränkungen während der aktuellen Corona-Krise. Der schwedische Staat möchte, dass möglichst viele Bürger möglichst schnell gegenüber Sars-Cov-2 immun werden. Schweden erkauft sich diese Strategie mit hohen Todesraten gerade unter älteren Menschen in Pflegeheimen. Ein erster umfassender Antikörpertest lieferte nun ernüchternde Zahlen. Lediglich bei 7.2% der Stockholmer ließen sich Ende April Antikörper gegen Sars-Cov-2 nachweisen. Die schwedische Regierung geht dennoch von einer höheren Immunität der Bevölkerung aus. Das zeigt das Dilemma, in dem wir uns gerade befinden. Diskussionen über Antikörpertests und Immunität sind bislang rein spekulativ. Woran liegt das?

Erfahrene Ärzte wissen nur zu gut, wie schwierig es ist, durch Antikörperuntersuchungen Rückschlüsse auf Infektionskrankheiten zu ziehen. Das liegt an der Komplexität unseres Immunsystems und ist kein spezifisches “Corona-Problem”. Eigentlich wird ein Antikörper zur Abwehr von “Eindringlingen” wie Sars-Cov-2 gebildet (s. Immunsystem). Er kann aber auch an Oberflächen andocken, die seinem ursprünglich “programmierten” Ziel sehr ähnlich sind. Im Krieg bezeichnet man diesen Erkennungsfehler als “friendly fire”. Soldaten verwechseln ihre eigenen Leute mit dem Feind und schießen auf sie. Das Immunsystem befindet sich ebenfalls in einem Krieg. Feinde sind beispielsweise Viren und Bakterien. Wenn sich die Oberfläche eines Bakteriums und die Oberfläche eines Gelenkknorpels sehr ähneln, führt die Infektion gleichzeitig zu einem Angriff auf das Gelenk. Folge ist dann eine schwere Gelenkentzündung, die sogenannte reaktive Arthritis. Diese und ähnliche Vorgänge werden als Kreuzreaktivität bezeichnet und können Ursache von Autoimmunerkrankungen sein.

Coronaviren sind keine neue Entdeckung. Vergleichsweise harmlose Coronaviren finden sich bei etwa 15% aller Menschen mit akuten grippeartigen Symptomen. Da sie mit Sars-Cov-2 verwandt sind, ist auch hier eine Kreuzreaktivität zu erwarten. Findet man nun einen Corona-Antikörper im Blut, ist längst nicht gesagt, dass dieser allein auf Sars-Cov-2 reagiert. Möglicherweise ist er schon Wochen oder Monate vorher durch eine harmlosere Corona-Infektion entstanden. Ähnlich kompliziert ist das Thema der Immunität. Ist dieser Antikörper gegen ein harmloses Coronavirus bereits vorhanden, kann er Sars-Cov-2 gleich beim ersten Kontakt vernichten oder den Verlauf deutlich abmildern. Das Immunsystem “kennt” Coronaviren in diesem Fall schon. Es besteht eine sogenannte “Hintergrundimmunität”. Möglicherweise benötigt das Immunsystem gar keinen speziellen Antikörper gegen Sars-Cov-2 mehr. Dann ist bei der betreffenden Person später auch kein “spezifischer” Sars-Cov-2-Antikörper nachweisbar. Immunität besteht dennoch.

Genau diese Umstände machen den Einsatz von Antikörpertests problematisch. Eigentlich müsste jeder neue Antikörpertest erst einmal genau überprüft werden. In einer Studie aus den USA wurden genau das gemacht. Verschiedene Antikörpertests wurden auf ihre Zuverlässigkeit hin überprüft. Die Ergebnisse waren teilweise sehr unterschiedlich. Die Rate an positiven Antikörpern lag zwei Wochen nach einer Sars-Cov-2-Infektion bei etwa 85%. Vollkommen unklar ist aber nach wie vor die Frage, ob überhaupt eine Immunität vorliegt und falls ja, bei wem. Diese Fragen können nur in zukünftigen Studien geklärt werden. Die Ausstellung eines Immunitätspasses, wie teilweise gefordert, ist also vollkommener Unsinn.