Eine Infektion mit RNA-Viren ist immer eine medizinische Herausforderung. Die schnellen Änderungen der Erbinformationen und damit auch der Virusstruktur erschweren eine gezielte Therapie. Aber auch eine Impfung kann wirkungslos sein. Das haben uns andere RNA-Viren wie das Hepatitis-C-Virus oder das HI-Virus eindrucksvoll demonstriert. Auch Grippeepidemien können äußerst problematisch verlaufen wie die Spanische Grippe und die Hongkong-Grippe im vergangenen Jahrhundert.

Innerhalb mehrerer Monate ein neues und wirkungsvolles Medikament oder einen Impfstoff zu finden, ist vollkommen utopisch. Also müssen wir auf bereits bekannte Medikamente zurückgreifen und diese auf Sars-Cov-2 testen.

Nach anfänglicher Euphorie hat sich gezeigt, dass eine COVID-19-Therapie mit Hydroxychloroquin bzw. Chloroquin, einem altbekannten Malariamittel, nicht nur unwirksam sondern auch lebensgefährlich sein kann. Das betrifft sowohl bereits bestehende COVID-19-Erkrankungen als auch deren Verhinderung (als prophylaktische Einnahme). Kontrollierte Studien laufen allerdings noch.

Dagegen scheint das Ebola-Medikament Remdesivir wirksam zu sein. Nach Auswertung der ersten Therapiestudien wird der Verlauf einer COVID-19-Erkrankung verbessert. Ob Remdesivir tatsächlich einen Tod oder schwerwiegende Organschäden wirkungsvoll verhindern kann, ist aber noch vollkommen unklar. Großangelegte Studien werden in Kürze ausgewertet.

Offensichtlich wirksam ist auch die Gabe von Antikörpern (sogenannte Plasmaspende). Das Blutplasma mit COVID-19-Antikörpern wird aus Blutspenden ehemaliger Patienten gewonnen. Das Verfahren ist allerdings sehr aufwendig und wird daher vor allem bei schwer Erkrankten eingesetzt. Ob es vor schweren Organschäden schützt und damit lebensrettend ist, untersuchen jetzt größere Studien.

Im Verlauf der COVID-19-Erkrankung kann es zu massiven Entzündungen der Lunge und der Gefäße kommen. Oft ist dann eine intensivmedizinische Betreuung mit künstlicher Beatmung erforderlich. Eine umfangreiche Auswertung dieser schweren Verläufe in dem besonders betroffenen Großbritannien hat jetzt lebenswichtige Informationen geliefert. Bekommen Schwerkranke das Kortisonpräparat Dexamethason, sinkt die Rate an Todesfällen, bei künstlicher Beatmung um ein Drittel, bei Lungenentzündung mit Sauerstoffgabe um 20%. Diese Erkenntnis ist erfreulich aber nicht überraschend. Einerseits können Kortisonpräparate die überschießende Immunantwort auf Sars-Cov-2, den sogenannten “Zytokinsturm” eindämmen, andererseits wirken diese Substanzen allgemein abschwellend und entzündungshemmend. Aus diesem Grund wird Dexamethason auch bei anderen schweren Erkrankungen eingesetzt. Dexamethason ist nicht das erhoffte Corona-Wundermittel, scheint aber einen durchaus günstigen Effekt zu haben. Die entsprechende Studie muss jetzt noch von unabhängigen Gutachtern bewertet werden. Bislang existieren zu diesem Thema lediglich Pressemitteilungen. Dann wird sich zeigen, ob die gegenwärtige Euphorie berechtigt ist.